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Der Alpstein – Berg- und Alpinwandern – Kurzbeschreibung
Lage: Kanton Appenzell IR, Schweiz
Beschaffenheit / Charakter: Kalkstein-, Falten- und Hochgebirge
Höhe: 2503 m.ü.M. [Säntisgipfel]
Schwierigkeitsgrad:
Da der Alpstein auf Grund seiner exponierten Lage für sich [autark]
steht [süd-östlich, das Rheintal – nord-westlich, das hügelige
Appenzeller Land], hat der Alpstein den Charakter eines Hochgebirges –
somit sind die Wetterverhältnisse, wie im Hochgebirge üblich,
unbeständig bzw. wechselhaft. Aber, so schnell, wie eine Nebelwand
aufzieht, kann sie sich auch wieder verziehen. Wie im Hochgebirge auch
üblich, bläst in den höheren Regionen meistens ein kräftiger Wind.
Bei nassen Verhältnissen bzw. Regen, ist es ratsam, sich darüber im
klaren zu sein, dass die Verhältnisse für den Berggänger nicht besser
werden, eher schwieriger.
Die meisten Routen befinden sich auf einer Höhe zwischen 1500- und 2000
Meter, schroffes, teilweise ausgesetztes, storziges [steiles] Gelände,
mit zum Teil schweißtreibenden Stellen, wie z.B. der Höhenweg über die
Saxer Lücke [Roslenalp], den man nicht mit Kindern begehen sollte, und
wenn, dann nur gesichert am Seil.
Exponiertes bzw. ausgesetztes und überhängendes Gelände, wurden teilweise mit Fixseilen [Stahlseile] entschärft – sollten aber auf keinen Fall eine trügerische Sicherheit vermitteln.
Trittsicherheit und Schwindelfreiheit
ist die Grundvoraussetzung für jeden, der in die Höhen des Alpstein
geht. Grundsätzlich gilt auch, gute Fitness und ausgeschlafen
sollte der Berggänger für jede Route sein, die
"weiß–rot–weiß"/"weiß–blau–weiß" markiert ist. Für die "weiß–gelb–weiß"
markierten Routen [z.B. um den Seealpsee bzw. Sämtisersee] reichen ein
paar schicke Pumps bzw. Badelatschen, die Haare müssen nicht zwingend
schön frisiert sein.
Für die Routen, die "weiß–blau–weiß" markiert sind, sollten die
Kenntnisse über die Bergwelt elementar sein. Der Umgang mit Karte,
Kompass [wenn nicht ortskundig], Geländebeurteilung und Gerät [Seil,
Karabiner, wenn benötigt] etc., sind ein Muss und sollten für
Alpinrouten geläufig sein.
Für alle Routen gelten [außer für
"weiß–gelb–weiß"] eine gesunde Selbsteinschätzung der eigenen
Leistungsfähigkeit. Wichtig ist auch, immer genügend Wasser zu trinken –
kann natürlich auch Eistee sein. Zu wenig trinken lässt nur die Zunge am
Gaumen kleben und die Finger anschwellen.
Die richtige Wandertechnik beim Gehen: bergauf – kurze Schritte und
bergab – längere Schritte.
Bewährt haben sich auch Teleskopstöcke, die die Gelenke entlasten
können. Nach Stunden des Aufstiegs, wenn es an den Abstieg geht, kann es
sein und bleibt auch nicht immer aus, dass sich die Kniegelenke
schmerzhaft melden. Hier sollte darauf geachtet werden, mit leicht
gebeugtem Oberkörper, längeren Schritten und mit der kompletten Sohle
aufzutreten, und nicht nur mit der Hacke, denn dass führt nur dazu, dass
man ausrutscht und die Gefahr eines Sturzes riskiert. Ebenso verhält es
sich beim Bergaufgehen: mit der kompletten Sohle, nicht nur mit dem
Fußballen auftreten.
Wanderschuhe [Bergwandern] sollten weitgehend wasserdicht, mit einer
kräftigen, nicht allzu biegsamen Profilsohle, knöchelhoch und so groß
sein, sodass man beim Abstieg nicht mit den Zehen vorne anstößt. Auch
speziell gepolsterte Wandersocken aus Mischgewebe helfen Druckstellen zu
vermeiden. Wenn möglich, weil auch sehr hilfreich, sollten die
Schnürsenkel im Spann und am Schaft feststellbar [arretierbar] sein, so
lässt sich je nach persönlichen Bedürfnissen der Schuh passgenau
schnüren und der Fuß bzw. die Zehen nicht beim Bergabgehen vorne im
Schuh anstoßen.
Nur ein perfekter, den Bedürfnissen angepasster Schuh, gewährleistet
auch einen perfekten Tag in den Bergen.
Unerfahrenheit [Selbstüberschätzung], Müdigkeit und Unkonzentriertheit
führen nur zu Unfällen, die in einer Katastrophe enden können.
Die angegebenen Marschzeiten auf den Wegweisern der jeweiligen Route
sind Durchschnittszeiten a la Roadrunner, ohne Pausen. Jeder sollte für
sich selbst seine persönliche Marschgeschwindigkeit ermitteln bzw.
finden und nichts überhasten. So mancher Berggänger im Alpstein hatte
sich bzw. sein Leistungsvermögen überschätzt und ist in die Tiefe
gefallen, weil er unkonzentriert bzw. körperlich müde war, oder musste,
weil klettertechnische Fähigkeiten überschätzt und nicht mehr vom Berg
runter kam, aus der Wand vom Altmann mit dem Hubschrauber [1. Klasse] in
Sicherheit geflogen werden. Bis zum heutigen Tag, gibt es immer noch
vermisste Berggänger, die nach Jahren noch nicht gefunden, bzw. erst
nach Jahren gefunden wurden.
Der Zeitaufwand für eine Route, sollte immer großzügig kalkuliert werden
[realistisch nach Form, Fitness und Können] und nicht danach streben,
einen "Schnellläufer Rekord" zu brechen. In die Berge gehen heißt,
genießen und die Natur auf sich wirken lassen.
Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten ruhig 7–8 Stunden [mit
Pausen] am Tag eingeplant werden, schließlich muss man ja auch wieder
aus der Höhe ins Tal runter. Noch besser ist es, weil entspannter und
auch nicht verkehrt, im Alpstein zu übernachten, um am nächsten Morgen,
in aller Frische, den neuen Tag zu genießen.
Der Alpstein ist mit einem relativ dichten Netz von Berggasthäusern
[inkl. Übernachtungsmöglichkeiten] bestens ausgestattet. Ob auf der
Meglisalp, Mesmer, Rotsteinpass, Zwinglipass [SAC-Hütte der Sektion
Toggenburg und Ausgangspunkt für das Klettergebiet um bzw. auf den
Altmann], Bollenwees am Fälensee oder Plattenbödeli auf der Alp Sigel
usw., befinden sich an den unmöglichsten Orten im Alpstein ein
Berggasthaus [Hütte]. Jedes Berggasthaus für sich mit einem sehr
speziellem Charakter [Ambiente] und einer natürlichen, nicht gekünzelten
Gemütlichkeit. Auf der Roslen-/ Widderalp [Sennenhütten], wenn der
Senner nicht gerade auf Alprundgang ist, kann auch dort eine Rast
eingelegt werden. Wenn gewünscht, bekommt man sogar ein Glas Milch. Bei
einigen Sennenhütten besteht auch die Möglichkeit zur Übernachtung –
sog. Massenlager auf Matratzen. Die Sennenhütte auf der Roslenalp
[SAC-Hütte der Sektion Sax] ist gleichzeitig auch Sitz der
Rettungskolonne und Ausgangspunkt für das Klettergebiet der Kreuzberge.
Die meisten Berggasthäuser im Alpstein sind von Mai bis Anfang November
geöffnet. Außerhalb dieser Zeit, gehen nur noch hartgesottene Berggänger
in den Alpstein.
Es hat schon etwas kurioses, ursprüngliches, wenn morgens um 3:00 Uhr
eine Kuh unter dem Fenster vorbeiläuft und ihre klangvolle Glocke in
C–Dur läuten lässt, oder ein Hahn – live und unplugged – der nichts
besseres zu tun hat, als weit vor 5:00 Uhr morgens zu krähen und
nebenbei, sich auch noch im Stimmbruch befindet und nach dem 2.
Vokallaut, selbst abwürgt.
Die Artenvielfalt an Fauna und Flora ist sehenswert: ob Steinböcke
[Rotsteinpass], Bergdohlen, die einem das Brot fast aus den Händen
picken, Murmeltiere [nur in den Höhen, z.B. auf dem Chreialp-/ first],
ein Fuchs, der morgens um die Hütte streicht [Alp Sigel], seltene, fast
ausgestorbene Pflanzen [Pflanzenschutzgebiete] etc. Je nach Jahreszeit
präsentiert sich der Alpstein in unterschiedlichen Stimmungen und
Farben. Wer sich für die Pflanzenwelt interessiert, sollte sich im Juni
auf die Alp Sigel begeben. Ein Farbenmeer, welches sich wohl schöner
nicht darstellen lässt.
Wer nicht allzu gut zu Fuß ist, oder es einfach ruhig angehen will, kann
auch ab Pfannenstil mit der alpeigenen Seilbahn1 der Alp Sigel hoch- bzw.
von der Alp Sigel ins Tal runter fahren. Bei der Seilbahn handelt es
sich um eine Selbstfahrer-Seilbahn, soll heißen, jeder, der mit dieser
Seilbahn fahren möchte, legt pro Person 10 Sfr. in die Blechdose und
drückt, wenn die Fahrt los gehen soll den roten Knopf. Es hängt aber
auch eine Gebrauchsanweisung für die Selbstfahrer-Seilbahn aus.
Pfannenstil liegt am Ende des Brüeltobel bzw. unterhalb der Alp Sigel,
einen Kilometer von Brülisau entfernt.
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1 Die Personenbeförderung mit der Alp Sigel-Seilbahn ist bis auf weiteres eingestellt. [seit Juni 2008] - In Planung ist,
ein Neubau von zwei Gondeln mit je sechs Plätzen. Nach dem Unfall im vergangenen Sommer, bei dem niemand verletzt worden war, empfahl die interkantonale Kontrollstelle für Seilbahnen
der Genossenschaft Alp Sigel, eine neue zweispurige Seilbahn mit separatem Trag-und Zugseil. Inbetriebnahme der neuen Seilbahn [Talstation Pfannenstil], Anfang Mai 2011! – Es kann sein, dass sich die Bezahlmodalitäten bzw. die Beförderungskosten pro Person geändert haben, müsste erfragt werden. [Erwachsene: Bergfahrt, 17.- / Talfahrt, 17.- Retourfahrt, 25.- / Preise in CHF]
Wer sich die Steinböcke mit ihren gewaltigen, imposant geschwungenen
Hörnern ansehen möchte, hat diese Möglichkeit im Bereich um den Altmann.
Das Gebiet am Rotsteinpass, weil um die Mittagszeit im Schatten liegend,
wird gerne und in großer Zahl von den Steinböcken dankend angenommen.
Die Steinböcke sind relativ zutraulich und lassen den Betrachter auf 10
bis 15 Meter rankommen – vorsichtig nähern. Steinböcke waren zwischen
1550 bis 1850 in weiten Teilen des Alpenraumes und im Alpstein nahezu
ausgestorben. Bei dem heutigen Bestand an Steinböcken, handelt es sich
um Nachkommen einer Kolonie aus dem Engadin, die 1955 im Alpstein wieder
ausgewildert wurden.
Was natürlich im Alpstein auch nicht fehlen darf, sind die zahlreichen
Geißen und Milchkühe, die wie festgenagelt, an den teilweise storzigen
[steilen] Hängen stehen und sich das saftige Gras schmecken lassen.
Wer ohne Kletterfähigkeiten einen Gipfel erstürmen möchte, kann den
Mutschen [2122 m.ü.M.] begehen [Markierung: "weiß–blau–weiß"]. Ab
Mutschensattel [2069 m.ü.M.] sind es ca. 10 Minuten bis zum Gipfel. Der
Aufstieg ist storzig [steil] und schweißtreibend, aber oben angekommen
wird der Berggänger mit einem phantastischen Blick weit über das
Rheintal bzw. Alpstein belohnt.
Einer der wohl schönsten und spektakulärsten Routen im Alpstein ist eine
Grat-Wanderung über den Marwees -/ grat [~1990 m.ü.M.] -/ gipfel [2056
m.ü.M.] [Markierung: "weiß-blau-weiß"]. Aufstieg erfolgt über die
Bogartenlücke – storziger [steiler], schweißtreibender Aufstieg, und
geht dann weiter im "Rücken der Dreifaltigkeit", hoch zum Marwees-Gipfel
[2056 m-ü.M.], über den Grat in Richtung Widderalpsattel. Von da aus,
Abstieg zur Widderalp bzw. Meglisalp. Die Grat-Wanderung sollte nur bei
trockenen Verhältnissen durchgeführt werden, da es sonst auf dem Grat
[Grasnarbe, Grashalden] zu einer rutschigen [fehlende Trittsicherheit]
Angelegenheit werden kann.
Auch vom Marwees-/ grat ist so mancher Berggänger, der den Grat bzw. die
Wetterverhältnisse unterschätzt hatte, nicht mehr zurückgekehrt und ist
oberhalb des Gloggeren in die Tiefe abgestürzt.
Eine weitere spektakuläre Route ist von der Meglisalp über die
Ageteplatte zum Mesmer [Markierung: "weiß–rot–weiß"]. Von der Meglisalp
[1517 m.ü.M.] geht es serpentinenartig hoch auf die Ageteplatte [1939
m.ü.M.] – storziger [steiler], schweißtreibender Aufstieg bis zum Grat.
[Grat-Überschreitung, 1896 m.ü.M.] Auf dem Grat oben angekommen sollte
man einige Zeit inne halten und einfach das Panorama genießen. Oben auf
dem Grat stehend [nichts für schwache Nerven – absolute
Schwindelfreiheit und Trittsicherheit ist gefragt], hat man eine
phantastische Aussicht über den Alpstein und zum Säntis rauf, der zum
Greifen nahe scheint.
Der Abstieg erfolgt auf der
Nord-West-Seite des Grates, der storzig [steil], serpentinenartig
abfällt und einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.
Auf der Fälalp angekommen, geht es in nord-östlicher Richtung weiter zum
Mesmer [Berggasthaus Mesmer, 1631 m.ü.M.]. Auch auf dem Mesmer besteht
die Möglichkeit zu übernachten und zu speisen oder einfach nur zu
rasten, um den Abstieg/Aufstieg in Richtung Seealpsee bzw. Säntis
fortzusetzen.
Was auch nicht auf dem Mesmer fehlen darf, weil es einfach dazu gehört,
sind die Geißen, die zum Leidwesen der Wirtin, auch schon mal einen
Blick in die Gaststube riskieren, dem Betrachter aber ein leichtes
schmunzeln abringt.
Wer einen typisch appenzellerischen Abend, in einem der Berggasthäuser
verbringen möchte, der sollte sich zur Meglisalp über den Schrennen
[Markierung: "weiß–rot–weiß"] auf den Weg machen. [Von Wasserauen über
Hüttentobel und Chli-Hütten – dann über den Schrennenweg zur Meglisalp]
Alljährlich, Ende Juli – Anfang August, findet in einigen
Berggasthäusern die "Stobete" statt, so auch auf der Meglisalp. Ob
Hackbrettmusik oder nur Gesang – ohne Instrumente – geht es hier noch
darum Brauchtum zu leben und zu pflegen, nicht für Touristen zu
inszenieren. Appenzeller Männer in ihren Trachten, die nicht einfach nur
jodeln, wie man es von den Bayern oder Österreichern her kennt, sondern
den Ton langgezogen [Zäuerli] auf Niveau halten, hört sich sehr schön an.
Die Meglisalp liegt im Herzen des Alpsteins. Wegen der exponierten Lage,
prädestiniert für Bergtouren in alle Himmelsrichtungen.
Wer auf der Meglisalp übernachten möchte, wird von der Einrichtung der
Zimmer überrascht sein: "Leben wie vor 100 Jahren". Ein nostalgisches
Ambiente mit Liebe zum Detail. Gegessen wird natürlich auch auf der
Meglisalp. Appenzeller– bzw. Meglisalp Spezialitäten werden serviert,
wobei die Flasche Rotwein nicht fehlen darf. Nur nicht zuviel Rotwein,
der nächste Tag [Bergtour] soll ja entspannt und nicht verkatert
begonnen werden.
Egal für welche Route sich letztendlich entschieden wird, hinter jeder
Biegung, hinter jedem Fels eröffnet sich dem Betrachter eine neue
Szenerie, die den Tag, oder länger, im Alpstein nicht langweilig werden
lässt.
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Geschichten und Legenden – davon gibt es einige, die man sich noch heute
im Alpstein erzählt
Der Säntismord – wobei der Wetterwart Heinrich Haas und seine
Ehefrau Maria Magdalena, am 21. Februar 1922, vom Schustergesellen
Gregor Kreuzpointner ermordet wurden. Tatmotiv ist bis heute nicht ganz
geklärt. Man nimmt aber an, dass es sich um Eifersucht bzw. Neid
gehandelt haben muss. Heinrich Haas wurde neuer Wetterwart auf dem
Säntis, nicht Gregor Kreuzpointner. Die Verantwortlichen für die
Neubesetzung der Wetterwarte wollten vorzugsweise ein Ehepaar für die
Anstellung auf dem Säntis, da der vorige Wetterwart alleinstehend war
und wohl nicht mit der Einsamkeit über die Wintermonate klar kam. –
Angeblich verlor er nach einiger Zeit, seinen Verstand und war nicht
mehr in der Lage, seinen Dienst weiterhin zu versehen.
Erst Tage später, als die Wettermeldungen ausblieben [was im Alpstein,
bei den Wetterverhältnissen – wg. häufig defekter Telegrafenleitung
keine Besonderheit war], wurden Säntisträger zur Wetterwarte hoch auf
den Säntis geschickt. Nach Stunden des Aufstiegs, hatten sie das Ehepaar
Haas in ihrem eigenen Blut liegend tot aufgefunden.
Nach drei Wochen, die Gregor Kreuzpointner durch das Appenzeller Land
irrend auf der Flucht war, wurde der mutmaßliche Mörder auf einer
Alphütte, in der Nähe von Urnäsch, erhängt aufgefunden. Gregor
Kreuzpointner sah wohl für sich keinen anderen Ausweg mehr, als sich zu
erhängen, mit dem Wissen, dass auf Mord zur damaligen Zeit die
Todesstrafe stand.
Die Wetterwarte – Anfang und Ende einer Ära. In den Anfangsjahren
[1882, Inbetriebnahme der Wetterstation] bis zum Bau der Wetterwarte,
war der Wetterwart in einem kleinen Zimmer im Berggasthaus Säntis
untergebracht, wo von dort aus die Wetterdaten über eine
Telegrafenleitung [Verlauf der Telegrafenleitung-/ masten:
Säntis–Meglisalp–Wasserauen] an die Schweizerische Meteorologische
Anstalt gemeldet wurden. Erst später ist dann eine Wetterwarte aus Stein
oberhalb des Berggasthauses gebaut worden, die heute noch vorhanden ist.
Die Wetterstation wurde 1969 automatisiert und der letzte Wetterwart
verließ den Säntis.
Die Säntiswirte – eine Wirte-Dynastie findet ihren Anfang. Jacob
Thörig [oder Jakob Dörig – genannt "Schribes Jock"], der erste
Säntiswirt, baut 1846 eine einfache Bretterhütte, später eine
Schutzhütte aus Stein auf dem Säntis. Im Laufe der Jahre wird weiter am
Berggasthaus an-, um- und ausgebaut, bis zu seinem heutigen Aussehen.
Mit einer kurzen Unterbrechung befindet sich das Berggasthaus Säntis
seither in Familienbesitz – mit den anderen Berggasthäusern im Alpstein
verhält es sich ähnlich.
Man wird den Eindruck nicht los, dass einige Berggasthaus-Familien sich
gegenseitig eingeheiratet haben oder miteinander verwandt sind.
Appenzeller sind halt doch eine verschworene Gemeinschaft, die sich
nicht in die Karten schauen lassen wollen.
Die Säntisträger – die im Laufe der Jahrzehnte zur Legende
wurden. Es gibt unzählige Geschichten über die Säntisträger, die
mehrmals in der Woche dem Berggasthaus und der Wetterwarte Proviant und
andere Gebrauchsgüter zwischen 30-100Kg auf dem Rücken tragend, bzw. mit
Maultieren auf den Säntis brachten. Eine Leistung, die man heute kaum
nachvollziehen kann und umso höher einschätzen muss. Besonders, weil es
in den Wintermonaten einem Himmelfahrtskommando gleich kam, quer durch
das tief verschneite Alpstein zu stapfen, um den Säntis zu besteigen.
Auch halfen sie dem Wetterwart, wenn es galt, unter gefährlichsten
Bedingungen die sturmgeschädigte Telegrafenleitung wieder zu reparieren.
Auch die anderen Berggasthäuser im Alpstein wurden so mit
Gebrauchsgütern versorgt, wie z.B. die Meglisalp, Rotsteinpasshütte,
Mesmer etc. So mancher Säntisträger musste für seinen Einsatz mit dem
Leben bezahlen.
Mit dem Bau [1933–1935] bzw. Inbetriebnahme der Schwebebahn [Talstation
Schwägalp] und Lasten-Seilbahnen andernorts, wurden die sog.
Säntisträger unrentabel und nicht mehr gebraucht. In heutiger Zeit kommt
auch ein Hubschrauber für die Versorgung der Rotsteinpasshütte zum
Einsatz, da es wegen der exponierten Lage, keine andere Möglichkeit
gibt, die Versorgung mit Gebrauchsgütern sicher zu stellen, die sich
rechnet. In Einzelfällen kommt es dann schon noch mal vor, dass
Gebrauchsgüter mit einem Maultier von der Meglisalp hoch zur
Rotsteinpasshütte gebracht werden, ist aber eher die Ausnahme.
Die Säntisträger genießen bis heute hohes Ansehen, für das, was sie
geleistet haben. |